Stimmungsschwankungen rund um die Menstruation werden gesellschaftlich häufig verharmlost. Gleichzeitig ist nicht jede Veränderung der Stimmung vor der Periode automatisch eine psychische Erkrankung.
Entscheidend sind unter anderem Stärke, zeitliches Muster und Auswirkungen der Beschwerden.
Beim prämenstruellen Syndrom können körperliche und psychische Beschwerden in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus auftreten. Bei einer kleineren Gruppe sind die psychischen Beschwerden erheblich ausgeprägter. Dann kann eine prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS beziehungsweise PMDD, vorliegen.
Zu den möglichen Beschwerden gehören starke Reizbarkeit, depressive Stimmung, emotionale Labilität, Ängstlichkeit, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und das Gefühl, den Alltag in dieser Zeit deutlich schlechter bewältigen zu können.
Die aktuelle Leitlinie des American College of Obstetricians and Gynecologists betont, dass prämenstruelle Störungen sowohl psychische als auch körperliche Symptome umfassen können und eine multimodale Behandlung erforderlich sein kann. Je nach individueller Situation kommen unter anderem psychotherapeutische, medikamentöse, hormonelle und verhaltensbezogene Interventionen infrage (American College of Obstetricians and Gynecologists [ACOG], 2023).
Das zeitliche Muster ist entscheidend
Ein wichtiger Hinweis ist, wenn Beschwerden wiederholt in einer bestimmten Phase des Zyklus auftreten und nach Beginn der Menstruation deutlich zurückgehen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, Stimmung, körperliche Beschwerden und Menstruationszyklus über mehrere Zyklen hinweg zu dokumentieren. Eine rückblickende Einschätzung allein kann ungenau sein.
Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob eine andere psychische Erkrankung vorliegt, deren Symptome sich prämenstruell lediglich verstärken. Depressionen oder Angststörungen können beispielsweise ebenfalls Schwankungen im Verlauf des Zyklus zeigen.
Psychisch oder hormonell?
Diese Gegenüberstellung führt häufig in die falsche Richtung.
Hormone wirken auf den Körper und das Gehirn. Gleichzeitig beeinflussen Lebensbedingungen, Beziehungen, Stress, körperliche Gesundheit und psychische Erkrankungen unser Befinden.
Wer jeden Monat erhebliche psychische Veränderungen erlebt, muss deshalb weder hören, dass „das eben die Hormone sind“, noch dass alles ausschließlich psychologisch erklärt werden müsse.
Starke zyklusabhängige Beschwerden verdienen eine ernsthafte gynäkologische und gegebenenfalls psychotherapeutische oder psychiatrische Abklärung.

